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Wenn es um die Ernährung oder das Verhalten der Hunde geht, wird der Wolf als Orientierungspunkt bemüht.
Der Hund stammt vom Wolf ab, daher muss er auch genau so behandelt und ernährt werden. Dies ist eine weit verbreitete Meinung, allerdings fehlt mir hierfür ein wenig das Verständnis. Wenn wir das Verhalten des Menschen erforschen wollen, setzen wir uns auch nicht ausschließlich in den Wald und beobachten dort frei lebende Affengruppen, aber genau diese Praktik wird beim Hund angewendet. Jeder Hund (und jeder Wolf) ist ein Individuum und die meisten von Geburt mit einem Menschen lebenden Hunde ähneln in ihren Verhaltensweisen eher diesem Menschen als einem natürlichen Wolf. Sicherlich ist jedem das altmodische Sprichwort “Wie der Herr, so`s Gescher” bekannt: Es soll ausdrücken, dass Hund und “Herrchen” im laufe der Zeit einander immer ähnlicher werden. Auch Hundepsychologen sprechen diese Tatsache nicht ab.
Warum also sollte man den verwöhnten “Pfiffi”, dem nichts wichtiger ist als sich Abends mit unter die Decke kuscheln zu dürfen, plötzlich den Status “Wolf” verleihen? Warum muss man unbedingt und keinesfalls anders mit wölfischen Erziehungsmethoden an ihn herangehen? Und zwar nicht nur im Verhältnis, sondern durch und durch. Selbstverständlich gleichen sich zwischen Haushunden und Wölfen viele Verhaltensmuster, wie sie sich auch zwischen Menschen und Affen gleichen. Dennoch kämpfen Tierschützer seit Jahren vergeblich darum, Affenrechte durchzusetzen. Hier zeigt sich wieder einmal das Paradoxon menschlicher Ignoranz.
Darwins Evolutionstheorie zufolge haben Menschen und Affen gemeinsame Wurzeln, unterscheiden sich jedoch in vielerlei Merkmalen deutlich von einander. Ähnlich verhält es sich mit wölfen und Hunden: Hunde wenden teilweise völlig andere Strategien, völlig andere Verhaltensmuster an als ihre wölfischen Kollegen, allein aus der Tatsache heraus, dass sie häufig nicht ums Überleben kämpfen müssen, sondern gänzlich anderen Situationen und Problemen ausgesetzt sind. Wölfe kennen nicht die Erbkrankheiten, die durch fortwährende Zucht immer weiter getragen wurden, sie kennen keinen eigenen Teller und auch nicht die üblichen Vergnügungen der Haushunde. Selbst ein in Gefangenschaft aufgewachsener Wolf ist mit seinem freien Artgenossen nicht vergleichbar. Selbstverständlich kann man viel von Affen und Wölfen lernen, doch man kann keinesfalls ihr Verhalten oder ihre Ernährungsweisen ohne Einschränkung mit denen der domestizierten Lebewesen vergleichen. Es gibt viel zu viele Feinheiten, die unbedingt Berücksichtigung finden müssen.
Auch sollten wir bedenken, dass was für einen Wolf natürlich ist, nicht unbedingt auch für einen Hund natürlich sein muss. Genau so wenig ist automatisch ein Hund wie ein Wolf natürlich. Genau genommen gibt es keine “natürlichen” Hunde, da sie von Anbeginn selektiert und produziert wurden. Der Hund ist mehr Teil der menschliche Kultur denn der Natur.
Achtung! Dies ist nur eine persönliche Meinung und kann sich (in welche Richtung auch immer) noch weiter entwickeln.
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