Sie befinden sich hier: Vegan-Hund » Hintergründe » Vermenschlichung von Hunden

Inhaltsverzeichnis

Vermenschlichung von Hunden

(und anderen Tieren)

Das Tier Mensch

Selbstverständlich ist auch der Mensch als Tier zu betrachten, was er selbst allerdings gerne übersieht. Die Verhaltensbiologie hat gezeigt, dass höher entwickelte nichtmenschliche Tiere sich komplizierterer Verhaltensmuster und gewisser Zeichensysteme bedienen um sich zu verständigen. Auch zu abstraktem Denken zeigen sich neben dem Menschen viele andere Tierarten zumindest in Ansätzen fähig. Andererseits sind auch unter den Menschen einige, die weniger intelligent sind als so manch anderes nichtmenschliches Tier. Emotionen sind bei anderen Tieren zweifelsfrei beobachtbar, und Schmerz-Reaktionen konnten auch bei “niedersten” Tierarten dokumentiert werden.

Die übliche Unterscheidung zwischen Mensch und Tier ist naturwissenschaftlich gesehen also nicht haltbar.

hündischer Mensch / menschlicher Hund

Wo auch immer eine Familie zusammen lebt, wird einer vom anderen Verhaltensweisen abschauen und übernehmen. Es ist nicht möglich, den Lebensweg gemeinsam zu gehen ohne einander zu beeinflussen. Kinder schauen sich ihr Verhalten bei Geschwistern, Freunden und Eltern ab. Aber auch Hunde und Menschen haben einander sehr viel zu geben. Da jedes Lebewesen jedoch ein Individuum ist, sind Beispiele hierfür sehr vielfältig. Einige grundsätzliche Eigenschaften oder Verhaltensweisen werden jedoch sehr häufig aufeinander übertragen.

Der Hund auf dem Kopfkissen

Die Art wie ein Hund in freier Natur leben würde ist unumstritten. Wie Hunde in Häusern leben sieht jedoch völlig anders aus. Für viele Menschen gilt alles, was nicht der natürlichen Umgebung entspricht, als “nicht artgerecht” und “Vermenschlichung”. So zum Beispiel

Nun, all dies sind selbstverständlich Dinge, in deren Genuss ein Hund ohne den Menschen nicht kommt, sie sind in gewisser Weise unnatürlich. Es ist in etwa mit dem in unserem Wohnzimmer sitzendem Buschmann zu vergleichen. Doch würde dieser, wenn er von Geburt an in unserer Gesellschaft aufgewachsen wäre dies ebenfalls als unangenehm, unnatürlich und seltsam betrachten? Er würde genau so selbstverständlich mit einer Bettdecke umzugehen wissen wie wir. Doch nicht viel anders geht es auch den sonstigen Individuen, die wir an unserem Leben teilhaben lassen.

Hunde, die nicht unterdrückt werden, verstehen nicht, warum sie nicht auch mit auf das Sofa dürfen. Sie verstehen nicht, warum sie es nicht auch warm und gemütlich haben sollten. Warum eigentlich nicht? Nur weil es nicht artgerecht ist, einem Hund etwas Bequemlichkeit anzubieten?

Letztendlich gibt es nur einen einzigen Grund, Hunde anders zu behandeln. Auch wenn Hunde in der Familie aufwachsen, so haben sie teilweise (wie auch teils bei Menschen üblich) eine andere Mentalität. Als Rudeltiere sind die meisten Hunde beispielsweise sehr unglücklich, wenn sie allein gelassen werden, den meisten Menschen macht dies wesentlich weniger aus. Dominante Hunde geraten in Versuchung, ihre Stellung im Rudel auszubauen und andere Familienmitglieder anzugreifen, wenn sie allen Familienmitgliedern gleich gestellt werden. Dies stellt insbesondere für kleine Familienmitglieder eine große Gefahr dar, aber auch für den Hund, der dadurch, dass er sich als Boss fühlt, in Gefahrensituationen eventuell nicht gehorcht. Allerdings gibt es auch unter menschlichen Familienmitgliedern dieses Dominanzproblem. Der Unterschied liegt lediglich in der Lösung. Dem eigenen Kind, sofern es nicht geistig behindert ist, können wir erst einmal erklären, dass es seinem Geschwisterchen weh tut. Bei Hunden hingegen müssen wir sofort zu Maßnahmen greifen, die ihm zeigen, dass er nicht der Familienchef ist und auch nicht über dem schwächsten Mitglied steht. Doch die wenigsten Hunde die in einer guten Familie leben, sind tatsächlich so dominant dass sie wirklich auf den untersten Platz im Rudel verwiesen werden müssen.

Nur weil ein Hund sich wann immer möglich auf das Kopfkissen legt, bedeutet es noch lange nicht, dass er seine menschlichen Mitbewohner dominieren möchte. Er sieht uns täglich darauf liegen und hat vielleicht für sich ebenfalls die Vorzüge eines Kopfkissens erkannt. Warum sollten wir ihm dann also kein eigenes anbieten?

Ebenso gehören Hunde nicht ins Schlafzimmer oder gar ins Bett. Warum eigentlich nicht? Ein natürliches Hunderudel liegt an einem geschützten Ort und zwar möglichst dicht beieinander. Nur die ausgestoßenen dürfen nicht den sicheren Schutz des Rudels in Anspruch nehmen. Je enger die Bindung, desto dichter ist sogar der Kontakt. Es ist also tatsächlich völlig natürlich, dass ein Wohnungshund ebenfalls die Nähe zu seinem Rudel sucht. Nur wir “zivilisierten” Menschen sperren selbst unsere Kinder in eigene Zimmer. Im Grunde vermenschlichen wir die Hunde in diesem Fall also genau dann, wenn wir sie aussperren.

Es ist wichtig, das Wesen des individuellen Hundes wirklich zu verstehen, nur so funktioniert ein faires zusammenleben.

und der Mensch?

Vielleicht merkt man es selbst gar nicht, aber auch wir Menschen können viel von unseren Mitbewohnern lernen, erfahren und übernehmen.

So haben die meisten Hunde auf ihre Mitmenschen eine beruhigende oder motivierende Wirkung. Viele Menschen kämen ohne die bei ihnen lebenden Hunde gar nicht vor die Türe. Viele Menschen sind durch den Kontakt mit Hunden ausgeglichener und glücklicher. Gerade Menschen mit einer (nervlichen) Erkrankung finden durch ihre Mitbewohner wieder einen Zugang zum Leben.

Und ob wir es wollen oder nicht, auch wir übernehmen manchmal einen Teil der charakterlichen Eigenschaften der bei uns lebenden Hunde, wenn wir uns um sie bemühen und uns auf sie einlassen.

Doch wenn ein Mensch etwas positives von einem Hund lernt und übernimmt, wird er dann angegangen, weil er sich “verhundlicht”?

negative "Vermenschlichung"

Menschgemachte Hunde

Ein trauriges Kapitel in der Vermenschlichung von Haustieren spielen jene, die vom Menschen bewusst gemacht werden. So wird gerade durch Zucht immer wieder versucht, dem Schönheitsideal des Menschen zu entsprechen. Es gibt Hunde, die speziell auf menschliche/s Eigenschaften und Aussehen hin produziert werden. Sehr viele Rassehunde haben keine Chance sich charakterlich natürlich zu entwickeln, sie verhalten sich ihr Leben lang wie ein niedliches Kleinkind. Im Gegensatz zu vielen anderen Hunden, die sich sogar bewusst z. B. aus strategischen Gründen so verhalten, haben diese Hunde keine Wahl.

Auch körperlich werden Hunde von “Vermenschlichung” abhängig gemacht. So haben viele Hunde mit unseren klimatischen Bedingungen größte Probleme, so dass es kaum anders möglich ist, als ihnen im Winter zum Spazieren gehen ein Mäntelchen über zu ziehen, da sie sonst krank werden. Auch ein schönes, langes Fell behindert die Hunde. Es ist im Sommer zu warm, verfilzt schnell und muss ständig gepflegt werden.

Hier können wir ebenfalls wieder mit unserem Buschmann-Beispiel aufwarten, denn auch ihm wäre es bei uns in Deutschland erst einmal in seiner natürlichen Bekleidung viel zu kalt. Ihm jedoch keine Winterjacke anzubieten und ihn dennoch hier leben lassen wollen wäre eindeutig inakzeptabel.

Es dürfen keine weiteren Hunde produziert werden, dennoch müssen wir uns um jene kümmern die wir zu versorgen haben. Sie können nichts dafür, dass es ihnen zu kalt wird und ein Pullover für Hunde unnatürlich ist.

hündische Ankleidepuppen

Ein Unterschied zu der teilweise notwendigen Bekleidung für Hunde stellt eine weitere Form der Vermenschlichung dar. Hunde werden als Modepüppchen missbraucht und Mensch findet dies supertoll und niedlich. Man braucht diesen Hunden im Grunde nur einmal in die Augen zu sehen und schon ist jedem klar, was diese von den Eskapaden ihrer “Frauchen” halten.

Natürlich müssen die Haare aus den Augen gehalten werden, doch für einen Hund ist es tatsächlich angenehmer, wenn die Schere dies übernimmt als wenn er immer eine Haarspange tragen muss. Auch Hüte oder Schuhe haben eher selten einen Vorteil für den Hund und sollen lediglich gut aussehen.

In diesem Fall ist die Kritik der Vermenschlichung absolut gerechtfertigt, denn solche Maßnahmen dienen nicht dem Wohle des Hundes, sondern dem menschlichen Ego.

So wie es Quälerei für den Hund wäre, wenn man ihn gegen seinen Willen Nachts unter der Bettdecke halten würde, so ist es nicht gerechtfertigt, einen Hund zu stylen oder ihm andere Dinge an zu tun, die nicht zwingend notwendig sind. Wenn er allerdings selbst mit der Bürste im Mund ankommt, warum sollte man ihm diesen Gefallen DANN nicht tun!

Pauschal das Zusammenspiel zwischen Hund und Mensch als Vermenschlichung oder ähnliches zu verurteilen ist sicher genau so falsch, als Hunde gegen ihren Willen zu vermenschlichen.

Sonstiges

Zum Weiterlesen

Zurück zu Hintergründe oder Familie