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Adoption

Einen Hund aufnehmen ist nicht so einfach wie viele glauben mögen.

Kaufen sich Menschen Kuscheltiere, ist dies meist eine schnelle Entscheidung nach dem Motto: “Dieses Tier ist hübsch, das nehme ich mit.” Dass jedes Lebewesen individuelle Bedürfnisse und Ansprüche hat, wird vielfach erst später bemerkt.

Oft landen gerade diese schnellen Fehlkäufe im Tierheim. Wenn sie Glück haben. Vielfach wird anschließend auch einfach eine andere Sorte Tier ausprobiert, z. B. eine andere Rasse, einen kleineren Hund, oder eine Katze. Solange es an Respekt und der grundlegenden Erkenntnis fehlt, dass andere Tiere keine Spielwaren, Waffen, Prestigeobjekte oder Therapeuten sind, werden Mensch und Hund damit niemals glücklich werden. Die Bedürfnisse des Menschen kann der Hund oft nicht erfüllen und die Bedürfnisse des Hundes wollen die Menschen oft gar nicht erst erfüllen. Keine gute Mischung für ein glückliches Zusammenleben.

Was braucht ein Hund

Für einen neuen Mitbewohner muss man Zeit haben. Man sollte in der Lage sein ihm täglich frisches Wasser und Essen zu geben. Und man sollte ihn mit all seinen Bedürfnissen respektieren.

Ein Hund muss ab und an mal Pipi oder so. Wenn mensch nicht in der Lage ist ihm dies wann immer nötig zu ermöglichen, dann passieren “Unglücke”. Da kann ein Hund nichts für. Mit etwas mehr Einfühlungsvermögen würde mensch dies auch verstehen. Stell dir vor, du könntest z.B. nur noch 2 mal am Tag auf Toilette, obwohl du dringend einmal musst. So ist die Pfütze direkt vor dem Bett nie böse Absicht des Hundes sondern lediglich Ausdruck menschlichen Versagens. Die Grundbedürfnisse, zu welchen auch lange Spaziergänge gehören, müssen unbedingt und immer erfüllt werden!

Außer der Befriedigung der Grundbedürfnisse braucht ein Hund auch Zuwendung. Er braucht Gesellschaft und die Möglichkeit zu Körperkontakt. Hunde sind Rudeltiere und gehören nicht in einen Zwinger oder Abstellraum eingesperrt. Diese Maßnahmen verursachen eine bedeutend psychische Belastung. Wenn der Hund dadurch aggressiv wird braucht sich mensch nicht zu wundern. Hunde, denen die Wahl gelassen wird, schlafen lieber mit ihrem Rudel im Schlafzimmer, am liebsten natürlich im Bett. Verständlich, wenn man sich das Wesen der Hunde genauer betrachtet.

Es ist schön, wenn wir all unsere Zeit dem Hund widmen, doch genau wie unsere Kinder nicht immer “bei den Alten rumhängen” wollen, so brauchen auch Hunde den täglichen Kontakt zu ihren Artgenossen. Damit ist nicht der Kontakt am Gartenzaun gemeint, Hunde müssen frei und ungezwungen an einem neutralem Ort mit anderen Hunden kommunizieren und spielen dürfen.

Frische Luft und freie Bewegung sind ebenfalls Grundlagen, die ein Hundeleben erst zu einem Leben machen. Ein langweiliges Dasein in dem nie eine neue Fährte zu finden ist kann kein glückliches sein. Außerdem ist über einen intensiven Ausflug ausreichend Bewegung gewährleistet. Auch für Hunde ist Auslastung und Bewegung eine wichtige Präventivmaßnahme gegen Langeweile und Depressionen. Man sollte je nach Körperbau des Hundes täglich min. eine bis zu fünf, sechs Stunden außerhäusliche Aktivitäten einplanen und das auch bei schlechterem Wetter.

Ebenso wichtig ist für den Hund das tägliche Zeitungslesen. Ja, auch Hunde müssen sich auf dem laufenden halten. Man stelle sich nur mal vor, uns würde man jeden Morgen nach zwei Minuten die Zeitung entreißen und diese wegschmeißen. Doch genau so führt sich der Mensch dem Hund gegenüber auf, indem er ihn nicht einmal schnuppern lässt, sondern diesen genervt weiter zieht. Hunde müssen an den Hinterlassenschaften anderer Hunde riechen, hier gewinnen sie ihre Informationen her, was in ihrem Revier so los ist. Sie erfahren, ob ein neuer Rüde im Land ist, oder ob eine Hündin gerade heiß ist. Denke das nächste mal an die Zeitung des “Hausherrn” und wie dieser reagiert, wenn er sie nicht lesen darf. Hunde reagieren nicht so massiv, doch sie finden es mindestens genau so doof. Wenn man schon mit dem Hund geht, sollte man sich auch die Zeit nehmen, ihn ab und an mal fertig “lesen” zu lassen.

Der richtige Partner

Ganz besonders wichtig bevor man einen Hund aufnimmt ist die Überlegung was man dem neuen Mitbewohner bieten kann. Auch wenn sie noch so süß sind, für einen Terrier z.B. ist eine kleine 3-Zimmerwohnung in der eine Familie mit Berufstätigen Eltern und Kleinkindern wohnt völlig ungeeignet. Mensch und Hund werden in dieser Konstellation nicht glücklich. Daher sollte man erst nachdenken bevor man sich von Aussehen und Größe verführen lässt.

Für jeden Topf gibt es einen Deckel, auch bei der Konstellation Hund-Mensch. So sollte man sich über seine eigenen Interessen klar und fähig sein, sich bei Problemen den Bedürfnissen des Hundes an zu passen. Das Energieniveau von Hund und Mensch sollte etwa auf dem gleichen Level liegen. Wer sehr sportlich ist, kann einen lauffreudigen Hund aufnehmen, wer etwas träger ist muss sich für einen genügsameren Hund entscheiden, was jedoch nicht bedeutet, dass man mit diesem gar nicht laufen muss! Es wäre völlig falsch aus einer Laune heraus einen extremst lauffreudigen Hund aufzunehmen, weil man hofft, dadurch die eigene Trägheit zu überwinden und besser diäten zu können. In der Regel ist es irgendwann der Vierbeiner, dessen Bedürfnisse aus Faulheit oder Inkonsequenz nicht erfüllt werden. Besser ist es, sich gleich im klaren zu sein wie weit die eigenen Leistungen gehen können und entsprechend einen ähnlich konstituierten Hundegefährten zu finden. Langfristig. Ein ganzes Hundeleben lang.

Natürlich sind Welpen (junge Hundebabies) unglaublich süß. Aber du solltest auch den älteren und besonders den alten Hunden eine Chance geben. Ein ruhiger, älterer Hund ist für hundeunerfahrene Menschen häufig ein besserer Partner als ein wilder Welpe bei dem mensch so viel mehr falsch machen kann. Außerdem werden Welpen (leider) häufig sehr schnell unbedacht vermittelt und landen nach wenigen Jahren wieder im Tierheim.

Manche Hunde sind sehr auf einen Menschen fixiert, andere fühlen sich in einem großen Rudel wohler. Dominante Hunde werden einen unsicheren Menschen nicht respektieren und dadurch eine Gefahr für sich und andere darstellen. Hunde, die kein passendes zu Hause erhalten sind oft unglücklich, häufig verstört und zeigen Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität.

Nimm dir viel Zeit. Lerne den Hund gut kennen, mache dich mit ihm vertraut und gehe mehr als einmal mit ihm spazieren. Eine langsame Annäherung bringt beiden Vorteile. Der Hund kann bereits im Vorfeld Vertrauen zu dir aufbauen und du schützt dich vor übereilten Entscheidungen und bösen Überraschungen.

Verantwortung

Wir haben gegenüber jedem Lebewesen in unserer Umgebung eine Verantwortung für dessen Wohlbefinden. Für Hunde ist es sehr schlimm von geliebten Menschen getrennt zu werden. Eine Entscheidung einen Hund auf zu nehmen sollte für immer sein. Aber Hunde bleiben nicht immer in den besten Jahren. Sie werden älter oder krank. Auch hier muss man sich im klaren darüber sein, dass große physische, psychische und auch finanzielle Belastungen auf einen zukommen können, die trotz allem bewältigt werden müssen.

Verantwortung heißt auch, das zu tun was für den Hund am besten ist und nicht was einem selbst gerade am lustigsten, bequemsten oder angenehmsten erscheint. Ein Hund sollte nicht ständig durch den Stadtverkehr und Menschenmassen geschleift werden, er sollte nicht als Kinderspielzeug missbraucht werden, in verrauchten Räumen eingesperrt sein und er hat nichts auf Partys oder Demos zu suchen. Die meisten Hunde empfinden dies als schrecklich. Sicher gibt es auch taube und sehr gesellige Hunde, die auch gerne auf einer friedlichen Demo mitlaufen, doch dies sind die Ausnahmen. Verhalte dich wie ein Freund und nicht wie ein Besitzer!

Freude

Das Wohlergehen des Hundes muss bei der Frage ob, oder ob es nicht möglich ist ihm ein Zuhause zu schenken im Vordergrund stehen. Ein Hund schenkt dem, der ihm ein schönes Zuhause bietet unglaublich viel Freude. Aber diese Tatsache muss an letzter Stelle stehen.

Wichtige Überlegungen

Diese Fragen solltest du dir stellen und zufriedenstellend beantworten können bevor du dich entscheidest, einen Hund aufzunehmen.

  1. Bin ich reif genug die Verantwortung für ein anderes Lebewesen zu übernehmen?
    • Bin ich rücksichtsvoll?
    • Bin ich verständnisvoll?
    • Bin ich geduldig?
    • Bin ich konsequent?
    • Bin ich selbstbewusst?
    • Bin ich voller positiver Energie und fähig ein guter Rudelführer zu sein?
    • Bin ich fähig dazu dafür zu Sorgen dass der Hund gut sozialisiert wird und keine Gefahr für sich und andere darstellen wird?
    • Bin ich gewillt mich über die Bedürfnisse des Hundes, wenn nötig der Rasse und auch des Individuums zu informieren und darauf einzugehen?
    • Bin ich bereit die Häufchen des Hundes zu beseitigen und fachmännisch zu entsorgen? (Kot von veg. Hunden ist übrigens kein Restmüll, sondern kann auf dem Kompost entsorgt werden.)
    • Bin ich in der Lage mir rechtzeitig Hilfe zu suchen wenn ich bei Problemen unsicher bin oder nicht weiter weiß?
    • Bin ich selbstlos genug um im Notfall die richtigen Entscheidungen treffen zu können?
  2. Habe ich genug Zeit für den Hund?
    • Bin ich bereit täglich mindestens eineinhalb Stunden mit dem Hund zu laufen?
    • Wer kümmert sich um den Hund wenn ich krank werde oder ins Krankenhaus muss? Habe ich im Notfall genug gute Alternativen?
    • Bin ich mir über meine berufliche Zukunft klar und kann sicher gehen, dass ich auch langfristig genug Zeit für den Hund habe?
    • Werde ich mich auch um den Hund kümmern, wenn sich die Familienplanung ändert? (z.B.: “Juchhu, wir wollen ein Baby ... ups, aber der Hund muss nun weg...”)
    • Werde ich mit ihm laufen wenn der Hund möchte und nicht nur wenn ich Lust habe und das Wetter schön ist?
  3. Habe ich genug Geld um einen Hund zu versorgen?
    • Bin ich bereit hochwertige Hundenahrung zu bezahlen?
    • Kann ich das Geld für Arztbesuche oder eine eventuelle Operation bezahlen?
    • Werde ich im Notfall auf einen Urlaub, ein Auto etc. verzichten, um notwendige Ausgaben aufbringen zu können?
    • Wie hoch ist die Hundesteuer in meinem Ort und kann ich diese bezahlen? (Beachte die Einteilung bei “gefährlichen Rassen”)
    • Habe ich eine gute Versicherung für den Hund?
  4. Habe ich genug Platz damit ein Hund es bei mir gut hat?
    • Ist genug Raum in der Wohnung?
    • Gibt es die Möglichkeit für eine Hundetüre damit er selbstbestimmt ins Freie kann?
    • Habe ich ein gesichertes Wohnverhältnis oder kann es sein, dass ich in einigen Jahren umziehen muss und den Hund dann nicht mitnehmen kann?
    • Ist es mir möglich mehrere Hunde aufzunehmen (was, wenn man sich vorher Gedanken macht meistens besser ist) oder muss ich einen Hund finden, der weniger Interesse an ständigem Kontakt mit Artgenossen hat?
  5. Habe ich starke Nerven?
    • Werde ich in der Lage sein mich ruhig zu verhalten, auch wenn der Hund in meinen Augen etwas falsch gemacht hat?
    • Werde ich geduldig sein auch wenn der Hund sich als ein Problemfall herausstellt?
    • Werde ich alles tun um ihm zu helfen oder ihn bei dem ersten Konflikt abschieben?
    • Kann ich den Hund auch durch Krankheiten und Tod begleiten?
    • Bin ich in der Lage einzugreifen wenn es gefährlich wird, kann ich ihn vor anderen Menschen oder Hunden beschützen oder andere vor ihm beschützen?
    • Kann ich mit gelegentlich aber unter Umständen massiv auftretenden Haaren, Dreck, Sabber, Gestank, Krabbeltierchen wie Flöhe oder Zecken, Gekläffe, Blut oder Urin im Haus zurecht kommen?
  6. Stimmt mein Umfeld?
    • Kann ich ihm eine stabile, gefestigte Familie vorstellen oder wird sich der Hund auf etwas gefasst machen müssen?
    • Sind alle Familienmitglieder mit der Adoption einverstanden?
    • Leidet kein Familienmitglied an einer Allergie oder Angst vor Hunden oder Dreck?
    • Ist die Nachbarschaft Hundefreundlich?

Wenn du dir über all diese Fragen Gedanken gemacht hast, bist du bei der Entscheidung, ob und welcher Hund sich bei dir wohl fühlen wird, vielleicht ein bisschen sicherer. Die meisten Hundeschulen bieten darüber hinaus aktive Hilfe an und gehen mit dir ins Tierheim um dich zu beraten. Auch wir arbeiten eng mit einigen Hundeverhaltenstherapeuten zusammen und sind gerne bereit dir weiterzuhelfen.

Siehe auch

Die Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, sie sind dennoch ohne Gewähr und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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