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Die goldenen Regeln der Hundeerziehung

Für ein beidseitig zufriedenstellendes Zusammenleben sind gewisse Regeln unerlässlich. Man muss den Hund im Notfall beschützen oder auch andere vor ihm beschützen können. Man muss ihn gezwungener Maßen mal alleine lassen oder überall hin mitnehmen können.

Liebe und Verständnis

Die Motivation, einen Hund zu erziehen sollte nicht aus dem Wunsch herrühren, auf der Straße eine möglichst gute Figur zu machen oder mit dem Hund vor seinen Kollegen zu glänzen. Die Motivation einen Hund zu erziehen erfolgt aus dem Wunsch, ihm ein gutes zu Hause zu bieten. Niemand kann sich in einer Familie völlig rücksichtslos verhalten, aber auch Hunde müssen lernen, was ok ist und was nicht. Ist unsere Motivation Liebe, sind wir auch gerecht und verlangen von dem Hund nichts, was unnötig oder reine Schikane wäre, nur um unseren Willen durchzusetzen.

Ausgeglichenheit

Sowohl für den Hund als auch für den Menschen ist die Ausgeglichenheit während des Trainings unerlässlich. Hunde sind ausgeglichen, wenn sie ihrem natürlichen Bewegungsdrang nachgehen können. Wenn man vor dem Training ein bis drei Stunden Spazieren geht, kommt die innere Ausgeglichenheit von ganz allein. Nichts ist schlimmer, als wenn ein Hund voller überschüssiger Energie steckt und sich gleichzeitig auf neue Lektionen konzentrieren soll.

Auch der Trainer muss ausgeglichen sein. Nervosität, Aggression, Anspannung usw. belasten bereits vor der ersten Übung das gesamte Training. Wer schon gefrustet nach Hause kommt, wird dies auf den Hund übertragen und auch im Training nur Misserfolge verzeichnen. Sind wir schlecht drauf, werden wir auch dem Hund gegenüber ungehalten und ungerecht.

Trainiere nur mit dem Hund, wenn du gut drauf bist, dann ist die Arbeit sinnvoll. Wenn nicht, dann setze alles daran viel Spaß miteinander zu haben - Geht gemeinsam auf die Wiese zum spielen oder powert euch beim laufen aus. Wenn es dir besser geht, kannst du es mit dem Training versuchen. Lieber einen Tag aussetzen, als durch ein negatives Training alles zu ruinieren.

Entspannungsübungen, Yoga, Meditation usw. können ebenfalls helfen, vor dem Training seine Ausgeglichenheit wieder zu finden. Probiere es aus, du wirst den Unterschied bemerken.

Motivation

Die beste und nachhaltigste Motivation um etwas neues zu trainieren ist Spaß und Freude. Ist die Motivation des Menschen positiv, weil er für den Hund das richtige tun möchte, weil es ihm Spaß macht mit dem Hund zusammen zu sein, auch wenn mal nicht alles perfekt läuft, so wird er ihn überwiegend mit Lob und Bestärkung animieren - die Motivation des Hundes ist automatisch ebenfalls positiv. Ist die Motivation des Menschen jedoch Stolz, Bequemlichkeit und Ego, arbeitet man vermehrt mit Korrektur und Strafe und so wird die Motivation des Hundes aus Angst und Vermeidungsversuchen bestehen. Unglückliche Hunde werden schneller krank, haben weniger Lebensfreude und bauen niemals ein wirklich inniges Verhältnis zum Menschen auf.

Konsequenz

Für das Gelingen der Hundeerziehung ist Konsequenz unerlässlich. Inkonsequenz gehört zu den schlimmsten Sünden die ein Mensch gegenüber einem “unerzogenen” Hund zeigen kann. Niemand braucht sich wundern, wenn man versucht, dem Hund das Betteln bei Tisch zu untersagen, gleichzeitig aber bei Gelegenheit dann doch mal die Reste runter fallen lässt.

Wir sprechen eine andere Sprache als Hunde und können ihnen daher nicht erklären, dass etwas eben nur mal eine Ausnahme ist und künftig hat der Hund sich gefälligst wieder völlig anders zu verhalten. Wenn ein Hund nicht auf das Sofa darf, darf er es nie, wenn er es jedoch darf, dann darf er es auch immer! Wenn ein Hund nicht als erstes durch die Türe soll, darf er es nie, wenn doch, dann aber auch immer! Wenn ein Hund nicht hochspringen darf, dann setze diese Regel durch, wenn er es darf, dann auch wenn er gerade im Schlamm gewühlt hat. Klare Regeln und Strukturen geben dem Hund Sicherheit. Wenn wir dem Hund nur erlauben, sich neben uns zu kuscheln wenn wir gut drauf sind oder gerade selbst Zuwendung brauchen, ihn aber sonst aus unserem Bett herausjagen, dann ist es für den Hund nicht möglich, uns einzuschätzen. Er wird nie wissen, ob er für sein Verhalten als nächstes Lob oder Strafe zu erwarten hat.

Das größte Glück für einen normalen Hund ist ein souveräner, konsequenter und fairer Rudelführer.

Souveränität

Die eigene Sicherheit, das Selbstbewusstsein ist ebenfalls sehr wichtig. Du musst wissen was du willst, du musst wissen, was richtig ist. Wenn du beim spazieren gehen innerlich noch überlegst, wer denn eigentlich wirklich der Chef in eurem Rudel ist, muss der Hund beim Anblick eines potentiellen Feindes die Führerrolle übernehmen, ob er das im Grunde will oder nicht, denn einer muss es ja tun. Bist du aber grundsätzlich selbstsicher und souverän, so kann der Hund entspannt neben dir laufen ohne dem “Feind” größere Beachtung zu schenken.

Da sich Widerholungen ja besser einprägen: Das größte Glück für einen normalen Hund ist ein souveräner, konsequenter und fairer Rudelführer.

Geduld

Ein Hund wird niemals aus Böswilligkeit ungehorsam sein. Er bemüht sich redlich, doch manchmal sind die Verlockungen des Alltags einfach größer. Manchmal versteht er einfach nicht, was man von ihm gerade will (vielleicht ja nicht einmal weil er zu dumm ist, sondern weil sich der Mensch einfach unklar ausgedrückt hat), manchmal braucht er einfach etwas länger oder er hat einfach mal einen schlechten Tag. Geduld ist eine Tugend, die gerade im Training belohnt wird. Die Übungen müssen jedoch immer Freude machen und nicht zu einem Drill ausarten. Es hat nichts mit Geduld zu tun, wenn man den Hund 100 mal am Tag in einer kalten Pfütze abliegen lässt. Dies hat was mit Ego, Ignoranz, Verbissenheit und Sturheit zu tun, nicht aber mit Geduld. Viel sinnvoller ist es, sich auf wirklich notwendige Übungen zu konzentrieren, viele Pausen zu machen und die Übungen immer in kleine Spielchen einzubetten. Auch dürfen wir unsere Geduld nicht über die des Hundes stellen. Hunde dürfen nicht mit ständig schlechten Übungen frustriert werden. Ist eine Übung missglückt, kommt schnell eine andere, normalerweise erfolgreiche Übung dazwischen, damit der Hund Spaß an der Sache behält. Ein guter Rudelchef merkt auch, wenn seine Geduld nicht gefragt ist, sondern es einfach reicht, dann wartet er eben geduldig und ohne Strafe oder Frustration bis zur nächsten Gelegenheit.

Verständnis

Vergiss nie, dass der bei dir lebende Hund ein Hund ist. Informiere dich über das Wesen und Verhalten der Hunde, so merkst du, dass vieles, was du früher für eine Unart gehalten hast, einfach nur ein Zeichen der Freude oder Sogar Respekt ist. Als Beispiel sei z.B. das Bogenlaufen erwähnt. Wie viele Hunde bekommen Schläge oder andere Strafen, weil sie nicht auf Kommando sofort und auf geradem Wege angelaufen kommen, sondern einen Bogen laufen. Dieses Verhalten zeigt jedoch nur, dass der Hund seinen Chef respektiert, dass er sich ihm unterordnet. Unter Hunden gilt es als unhöflich, direkt auf einen anderen zuzulaufen.

Verstehen wir z.B., warum der Hund in gewissen Situationen nervös wird, fällt es uns leichter, seinem Verhalten wohlwollend und geduldig zu begegnen. Ist z.B. eine läufige Hündin in der Nähe, haben manchmal selbst die treuesten Hunde arge Probleme sich auf ihre Aufgaben zu konzentrieren. Andere Hunde, andere Menschen, die Hormone, Schmerzen oder Trauer, sonstige äußere Umstände, ja sogar der Mond beeinflusst die Verfassung des Hundes wie auch unsere eigene. Sei dir dieser Tatsache bewusst, akzeptiere sie und hab Verständnis.

Verstehen wir das Wesen und die momentane Verfassung des Hundes, so fällt es uns viel leichter, richtig zu reagieren. Hab Verständnis für den Hund und euer Umfeld.

Charaktereinschätzung

Wer versucht, aus einem charakterlichen Jagdhund einen charakterlichen Schoßhund zu machen, sollte sich lieber ein Computerspiel zulegen als einen Hund aufzunehmen. Jeder Hund hat Vorlieben und Abneigungen die tief in seiner Psyche verwurzelt sind. Auch einen Terrier kann man zufrieden stellen, aber eben auf eine völlig andere Art und Weise als einen gemütlichen Bernhardiner.

Die Erziehungsmethoden müssen auf den Charakter des Hundes abgestimmt werden. Behandelt man einen ängstlichen, unsicheren Hund zu grob, so kann eine Erziehungsmethode, die sonst “doch immer funktioniert” genau das Gegenteil bewirken, ja sogar massive Verhaltensstörungen provozieren.

Den Charakter des Hundes richtig einzuschätzen und die Erziehungsmethoden darauf abzustimmen ist sehr wichtig.

Vertrauen

Wer die goldenen Regeln der Hundeerziehung beherrscht, kann sich dem gegenseitigen Vertrauen gewiss sein. Der Hund weis genau wo die Stärken und Schwächen seines Rudelführers liegen und sich auf ihn verlassen. Aber auch der Rudelführer kennt die Stärken und Schwächen seines Rudels. So entwickelt sich im laufe der Zeit aus Fairness, Freundschaft, Konsequenz und Geduld eine auf Respekt und Vertrauen basierende Freundschaft.

Zum Schluss

Mit diesen Regeln hast du eine gute Grundlage für ein beidseitig zufriedenstellendes Zusammenleben. Selbstverständlich sind individuell die ein oder andere Regel zu ergänzen oder leicht abzuändern, doch im Grunde ist es das, was eine positiv-konstruktive Gemeinschaft von der üblichen “Ich kaufe, besitze und erziehe (bzw. dressiere) einen Hund”-Mentalität unterscheidet.

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